Wochenendauto der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg A.-G. 1928

Dem Verlangen, das Wochenende unabhängig vom Aufenthaltsort und doch mit allen Bequemlichkeiten verbringen zu können, sucht ein von der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg A.-G. gebautes Wochenendauto gerecht zu werden. (Artikel von Studienrat Joh. Weidinger)

Dieses Auto wurde auf der im November 1928 in Berlin abgehaltenen Internationalen Automobil-Ausstellung gezeigt und hat dort allgemeines Aufsehen erregt und berechtigtes Interesse gefunden. Der Wagen stellt ein Meisterwerk deutscher Technik dar, bei dem Ingenieur und Architekt in feinsinniger Weise zusammenarbeiteten und die Handwerker eine saubere Arbeit lieferten. Wie aus dem Grundriss (Abbildung 2) ersichtlich ist, enthält der Wagen Wohnzimmer, Schlafzimmer, Küche mit anschließendem Waschraum und Klosett, alles gut durchgedacht und auf kleinstem Raum verteilt und dabei doch auch genügend groß und bequem.
Das Kastengerippe des Wagens besteht aus Eschenholz, das außen mit 1 Millimeter starkem Eisenblech verkleidet ist. Der Wohnraum ist 2 Meter lang und 2,18 Meter breit. Er hat verschiebbare Drehstühle und an den Seitenwänden zwei Klapptischchen mit eingelassenen Aschenbechern, ferner einen Tisch, der im Wohn- oder Schlafraum mit einer Schraube am Boden befestigt werden kann. An der Fenstersäule ist ein elektrischer Zigarrenanzünder angebracht. Wände und Türen sind mit kaukasischem Nussbaumholz furniert.
Die Sessel sind mit hellblauem Gobelinstoff überzogen, die Übervorhänge sind innen blau, außen der Wagenfarbe entsprechend. Die Wandbespannung besteht aus geblümter Seide, die auf Watte tapeziert ist. Vier elektrische Deckenlampen sorgen für die Beleuchtung des Raumes. Die sehr gediegene und feine Abstimmung macht den Aufenthalt im Wohnraum äusserst behaglich. Durch eine zweiflügelige Schiebetür, deren obere Füllungen mit Eisblumenglas verglast sind, ist der Schlafraum zugänglich. In der Trennwand sind Wandschränkchen zur Unterbringung der Kleider eingebaut. Der 1,90 Meter lange und 2,18 Meter breite Raum bietet Schlafgelegenheit für vier Personen. Die beiden oberen, durch eine Klappleiter bequem erreichbaren Betten sind hochklappbar, so dass diese Abteilung des Wagens auch für den Aufenthalt am Tage geeignet ist.
Die Auflegematratzen, Kopfkissen, Daunendecken usw.sämtlicher Betten können in den unter den beiden unteren Betten befindlichen Kasten untergebracht werden. Die beiden unteren Betten können in zwei bequeme Sitzbänke umgewandelt werden.
Alles Holz im Schlafraum ist deutsche Birke, hell poliert. Ausser der elektrischen Deckenbeleuchtung sind über dem Kopfende der Betten Leselampen in die Wand eingelassen. Die Wandbespannung und die Übervorhänge bestehen aus hellgrüner Seide.
Die Fenster des Schlafraums und des Wohnzimmers sind herablassbare Kurbelfenster mit Scheiben aus Kristallspiegelglas. Durch Pegamoid-Rollvorhänge können die Räume verdunkelt werden. Die Lüftung besorgen Flettner-Rotoren.
Die Küche enthält ein Küchenbüfett mit eingebautem herausziehbaren Spültisch und einer Anlage für fliessendes Wasser. Das Büfett ist ferner mit dem nötigsten Ess-, Kaffee- und Teegeschirr, mit Bestecken, Wein- und Biergläsern ausgestattet. Ein elektrischer Tischherd mit Backhaube und eine Kühlanlage (Frigidaire) ergänzen die Küchenausrüstung. Neben der Küche sind eine Waschgelegenheit mit Brause untergebracht und ein Trockenklosett, das auch mit der Wasserleitung gespült werden kann.

Wasser liefert ein entsprechend grosser, unter der Decke der Küche angebrachter Behälter, der durch eine elektrische Antriebspumpe gefüllt werden kann. Für das Dienstmädchen kann in der Küche ein Klappbett an der im Grundriss einpunktierten Stelle aufgeschlagen werden. Ferner kann auch das Wohnzimmer für zwei Personen zum Schlafen eingerichtet werden (der Chauffeur hat seine Schlafgelegenheit im Führerraum), so dass im Notfall acht Personen in dem Wagen schlafen können. Die Werkzeuge und Reisekoffer sind in Räumen untergebracht, die von der Rückwand aus zugänglich sind. Zusammenfassend darf wohl gesagt werden, dass der Wohnwagen selbst den verwöhntesten Ansprüchen gerecht wird.

Wir danken der MAN SE Deutschland für die
freundliche Genehmigung der Abbildung!